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Freitag, 6. Juni 2008

Über Roselle Angwin:
Roselle ist Dichterin, Schriftstellerin und Malerin. Äußere und innere Landschaften, die Beziehung zwischen dem Selbst und dem Anderen, zwischen Kreativität und Wohlbefinden sind zentrale Motive in ihrem Werk. Sie arbeitet gerne mit anderen Künstlern und Schriftstellern zusammen, unter anderem als Leiterin ihres Fire in the Head Workshops für kreatives und reflektiertes Schreiben. Neben ihren Gedichten, Kurzgeschichten und Essays, die in Büchern, Zeitschriften und Anthologien erscheinen, sind aktuell auch ihr Ratgeber Writing the Bright Moment (Arts Council/Fire in the Head 2005) und ihre Gedichtsammlung Looking For Icarus (bluechrome, 2005) in Druck.
(c) Maria Luise Schlay

Wie Morgen

Manchmal glaube ich in der Nacht, ich höre deine Schritte, sehe wie du eine Hand ausstreckst, um mich in dein Land zu führen, deinen Geist sternenhell leuchtend wie Weihnachtskerzen, oder ruhig wie ein tiefer Teich bewohnt von goldenen Karpfen, Gedanken, die das Wasser so sanft durchfächern wie Flossen, dabei kaum ein Kräuseln hinterlassen, oder in einem Regen aus Neon hinüber zum anderen Ufer schnellen, und mich nach Atem ringend zurücklassen.

Manchmal erscheinst du wie ein Flamencotänzer, manchmal wie ein kleiner Wind, der durch Blätter schwimmt, und während ich mich umdrehe, bist du bereits verschwunden, und nur die sich wiegenden Bäume lassen deine Durchreise erkennen.

Manchmal bist du eine Beschwörung auf den Lippen eines anderen

ein nicht vollständig geäußerter Vokal
eine gerade so vernommene Silbe
ein fernes Lied.

Manchmal bist du ein Falke, der sich auf dem Wind treiben lässt.

Ich mag es am liebsten, wenn ich aus der Küche, wo Sonnenstrahlen über die Kacheln streichen, und hinaus in den Sommermorgen gehe, das Gras noch feucht und der Garten dabei die Nacht abzuschütteln, und du bist da in der verschwenderischen Üppigkeit des Hibiskus, oder unter dem Lindenbaum, oder wartest auf der Türschwelle in dem Korb mit prallvollen Feigen, Blütenflaum noch unberührt, wie Morgen.

Übersetzt von Maria Luise Schlay
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Wie der morgige Tag
Manchmal denke ich nachts, ich höre Deine Schritte, sehe, wie Du mir die Hand reichst, um mich in Dein Land zu führen, Deinen Geist, der erhellt ist von Lichtern wie Weihnachtskerzen oder ruhig wie tiefes Wasser bewohnt von goldenen Karpfen, Gedanken, die das Wasser so sanft teilen wie Flossen, es kaum kräuseln oder in einem Funkenregen aufflackern bis hinüber zum anderen Ufer und mich nach Atem ringend zurücklassen.

Manchmal erscheinst Du wie ein Flamencotänzer, manchmal wie ein leichter Wind, der durch Blätter streicht und wenn ich mich umwende bist Du schon fort und nur die Bäume bezeugen wiegend Dein Vorübergehen.

Manchmal bist Du eine Zauberformel auf den Lippen eines anderen

ein verschluckter Laut
eine aufgeschnappte Silbe
eine Melodie, die von fern erklingt.

Manchmal bist Du ein Falke, der im Wind steht.

Am liebsten mag ich es, wenn ich aus der Küche komme, wo das Sonnenlicht über die Fliesen streicht und hinaustrete in den Sommermorgen, das Gras noch nass und der Garten schüttelt die Nacht ab und Du bist dort in der verschwenderischen Fülle des Hibiskus oder unter der Linde oder wartend auf der Schwelle in dem Korb überreifer Feigen, die Blüte noch unberührt, wie der morgige Tag.

Übersetzt von Anna Hubrich
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Wie der morgige Tag
Manchmal in der Nacht meine ich deine Schritte zu hören, sehe dich die Hand ausstrecken, um mich in dein Land zu führen, deinen Geist, der leuchtend hell erstrahlt wie Christbaumkerzen, oder still ist wie ein tiefes Becken, das von goldenen Karpfen bewohnt wird, Gedanken, die das Wasser zart wellen wie feine Flossen, sodass es sich kaum kräuselt, oder die in einem Neonregen ans andere Ufer schnellen und mich nach Atem ringend zurücklassen.

Manchmal erscheinst du als Flamenco-Tänzer, manchmal als leichter Wind, der durch die Blätter schwimmt, und drehe ich mich um, bist du schon weg, und nur die wogenden Bäume verraten deinen Weg.

Manchmal bist du eine magische Formel auf den Lippen anderer

ein nicht ganz hervorgebrachter Vokal
eine eben erhaschte Silbe
eine ferne Melodie.

Manchmal bist du ein Falke, der auf dem Wind gleitet

Am liebsten gehe ich von der Küche, wo das Sonnenlicht die Fliesen berührt, hinaus in den Sommermorgen, wo das Gras noch feucht ist und der Garten die Nacht von sich abschüttelt, und du da bist in der verschwenderischen Fülle des Hibiskus oder unter der Linde; oder wartest an der Türschwelle im Korb mit berstend prallen Feigen, deren Tau noch unberührt ist wie der morgige Tag.
Übersetzt von Sabine Stiglmayr
About Roselle Angwin:
Poet, author and painter Roselle Angwin is the director of the Fire in the Head creative and reflective writing programme. Her work hinges on inner and outer geographies: the connections between self and self, self and other, self and place, and creativity and wellbeing. She has been described as ‘a poet of the bright moment... whose own source of creative inspiration is her native Westcountry, the Scottish islands, and a highly individual blend of Celtic mythology, psychology, shamanic and Buddhist thinking’. She is a passionate champion of wild places and the environment, and has led vision quest work on Dartmoor. Roselle is internationally known as a creative workshop facilitator. She’s run courses at Oxford, in Spain, France and Switzerland; annually on the Isle of Iona; for Dartmoor National Park and the Arvon Foundation, among many others. She was poet-in-residence at Sherborne Boys School in 2004/5, and at Hestercombe Gardens in Somerset as part of a Year of the Artist initiative with an environmental public art group, Genius Loci in 2000/1. With GL she also has poetry embedded in sculpted ‘cats’ eyes’ in the Cotswold Water Park cycle trail. Alongside Mimi Khalvati, Hugo Williams, Paul Matthews and Andie Lewenstein she is again tutor at Poetry Otherwise at Emerson College in August 2008.
Quelle: poetry p f

Like Tomorrow

Sometimes in the night I think I hear your footsteps, see you stretch a hand to lead me into your country, your mind which is incandescent with lights like Christmas candles, or still like a deep pool inhabited by golden carp, thoughts which fan the water as delicately as fins, barely rippling; or flick in a shower of neon across to the other shore, leaving me gasping for breath.

Sometimes you arrive like a flamenco dancer; sometimes a small wind swimming through leaves, and as I turn you’ve already left, and only the trees swaying to show your passage.

Sometimes you are an incantation on the lips of someone else

a vowel not quite uttered
a syllable just caught
a faraway tune.

Sometimes you are a hawk hanging on the wind.

I like it best when I turn from the kitchen where sunlight is stroking the tiles and walk out into the summer morning, grass still wet and the garden shaking off night, and you’re there in the extravagance of hibiscus, or under the lime tree; or waiting on the doorstep in the basket of bursting figs, bloom still untouched, like tomorrow.

in collection Looking for Icarus, 2005, bluechrome,
ISBN 1-904781-74-8